MeinBezirk – Chancenbonus

Warum ein Ex-Spitzenkicker Grazer Mittelschüler aus dem Unterricht holt

GAK-Legende und Direktor Alexander Ivanescu (links) und Ex-Sturm-Profi Kevin Friesenbichler ziehen an der MS St. Leonhard an einem Strang. | Foto: MeinBezirk/Markus Kropac
  • GAK-Legende und Direktor Alexander Ivanescu (links) und Ex-Sturm-Profi Kevin Friesenbichler ziehen an der MS St. Leonhard an einem Strang. Foto: MeinBezirk/Markus Kropac

 

Seit diesem Schuljahr steht 32 Grazer Schulen der Chancenbonus zur Verfügung: In der MS St. Leonhard hat man sich dazu entschlossen, einen Teil der Mittel für einen Bewegungscoach zu verwenden, der Kinder mit Bewegungsdrang rund zehn Minuten für eine schnelle Sporteinheit aus dem Unterricht holt, mit positiven Ergebnissen.

GRAZ. Seit Anfang des Schuljahres gibt es den Chancenbonus-Plus für sogenannte „Brennpunktschulen“, ein Begriff, den man weder bei Bildungsdirektion noch in den Schulen selbst gerne hört. Es sind Schulstandorte mit zusätzlichen Herausforderungen. Um diese besser meistern zu können, wird mit dem Chancenbonus zusätzliche Personalstunden ermöglicht. Diese sollen je nach Schule dort eingesetzt werden, wo die Schule Bedarf sieht. Möglichkeiten gibt es einige, wie Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner schildert: „Etwa durch weitere Lehrkräfte, Schulsozialarbeit, Schulpsychologie oder Tanz- und Theaterpädagogik.“

Für Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner und Bildungs- und Sportstadtrat Kurt Hohensinner (beide Mitte) handelt es sich dabei um ein Paradebeispiel für die positive Wirkung des Chancenbonus-Plus. | Foto: MeinBezirk/Markus Kropac

  • Für Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner und Bildungs- und Sportstadtrat Kurt Hohensinner (beide Mitte) handelt es sich dabei um ein Paradebeispiel für die positive Wirkung des Chancenbonus-Plus. Foto: MeinBezirk/Markus Kropac

 

In der Steiermark sind 41 Schulen Teil dieses Programms, 32 davon befinden sich in Graz. Wie individuell diese Mittel eingesetzt werden und inwiefern dadurch eine Veränderung spürbar ist, hat MeinBezirk beim Lokalaugenschein in der Mittelschule St. Leonhard erfragt.

 

 

Sporteinheit für Zwischendurch

Dort hat man sich dafür entschieden, die Stunden auf mehrere Personen aufzuteilen, wie Direktor Alexander Ivanescu erklärt: „Die Hälfte der Stunden fließt in die Schulsozialarbeit, die andere Hälfte in einen Bewegungscoach.“ Letzterer ist mit ex-Fußballprofi Kevin Friesenbichler kein Unbekannter und gemeinsam setzt man auf ein innovatives Konzept. Friesenbichler ist dienstags, donnerstags und freitags im Haus, einen Teil seiner Stunden ist für kurze Sporteinheiten während der Schulstunden reserviert. „Viele Kinder werden unrund, wenn sie sechs Stunden am Stück sitzen“, erklärt der Direktor. Genau diese Kinder holt Friesenbichler für zehn bis 15 Minuten aus dem Unterricht und macht mit ihnen Sport. „Danach können sich die Kinder wieder besser konzentrieren. Auch für das Lehrpersonal ist das eine spürbare Entlastung“, zieht Ivanescu eine erste positive Bilanz.

Einen zweiten Vorteil haben die sportlichen Unterrichtspausen. In den letzten Jahren wurde Gewalt vermehrt zum Thema an heimischen Schulen: „Sport und Bewegung sind die beste Gewaltprävention“, ist sich Frießenbichler sicher.

 

Bewegungsauszeit wird zur Belohnung

Seine „Sportpausen“ sind inzwischen so beliebt, dass einige Kinder zuvor im Unterricht extra unruhig wurden, um sich quasi für die Bewegungseinheit mit Friesenbichler zu qualifizieren. Deshalb hat man das System in einigen Klassen inzwischen umgestellt: Wer das Gefühl hat, Bewegung zu brauchen, kann sich vorab melden. Aber nur wer im Unterricht auch brav war, darf mitkommen. Eine weitere erzieherische Maßnahme, die Wirkung zeige.

Zuspruch gab es auch von Bildungs- und Sportstadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP), der gleichzeitig – auch wegen Schilderungen wie diesen – vor weiteren Kürzungen im Sportbereich warnt: „Jeder Euro, der in die Bewegungsförderung investiert wird, ist eine Investition in Gesundheit, Bildung und die Zukunft unserer Kinder.“